Positionspapiere/Leserbriefe

Die RWE Power AG verbrennt in ihrem Kraftwerk Berrenrath neben 75 % Braunkohle zur Zeit 25 % Klärschlamm und Altholz.
Versuche, bis zu 49,7 % Brennstoffe wie kontaminiertes Altholz, Klärschlamm, Gärschlamm sowie Flüssigbrennstoffe -ausgewiesen als Biomasse, in den Kesseln als Brennstoff einzusetzen, wurden nach Angaben von RWE positiv abgeschlossen.

Die RWE Power AG hat nun einen Antrag (bei der Bezirksregierung Dortmund, weil sie dem Bergrecht unterliegt) gestellt, diese 49,7% Brennstoffe als Ersatz für Braunkohle dauerhaft einzusetzen. Damit wird aus dem Kraftwerk, welches derzeit nach der 13. BImSchV betrieben wird,
eine Abfallverbrennungsanlage, die nach der 17. BImSchV zu betreiben ist.

Es gibt in unserem näheren Umfeld mindestens 3 RWE-Kraftwerke, die voraussichtlich alle in Abfallverbrennungsanlagen umfunktioniert werden sollen. Dies ist für den Betreiber sehr lukrativ, weil die eigene Braunkohle eingespart und Gebühren für die Abfallverbrennung eingenommen werden. Außerdem werden CO2-Abgaben bzw. Emissionszertifikate wegen Verbrennung von biogenen Stoffen eingespart.
Wir als Anwohner sind um unser Wohl besorgt und befürchten hierdurch eine stärkere Umweltbelastung als bisher.
Laut dem Antrag von RWE Power AG beigefügten TÜV- Gutachten müssen die Emissionswerte folgender Schadstoffe gem. 17. BImSchV eingehalten werden:
SO2 50 mg/Nm³
HCl 10 mg/Nm³
Infolge Ausnahmeregel wird jedoch beantragt: der Ausstoß von
SO2 154 mg/Nm³
HCl 81 mg/Nm³

Laut dem Antrag von RWE Power AG beigefügten TÜV- Gutachten werden Ausnahmeregelungen beantragt, weil die Grenzwerte nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand eingehalten werden können.
Wir folgern daraus: die Kraftwerksanlage ist dafür nicht geeignet.

Bei einer Rauchgasmenge von 2 x 358.000 Nm³/h errechnet der absolute zusätzlich Schadstoffausstoß wie folgt:
SO2 154-50= 104 mg/Nm³ x 2 x 358.000Nm³/h = 74 kg/h = 1.787 kg/Tag = 600 t/a.
HCl 81-10= 71 mg/Nm³ x 2 x 358.000Nm³/h = 50 kg/h = 1.200 kg/Tag = 415 t/a.

Diese Werte sind für uns unverhältnismäßig hoch, weil sie die zulässigen Werte um ein Vielfaches überschreiten.

Laut dem Antrag von RWE Power AG beigefügten TÜV- Gutachten muss die Verbrennungstemperatur mindestens 850 °C betragen.
Beantragt wird eine Verbrennungstemperatur von 740 °C.

Während die Braunkohle über die Schiene ins Kraftwerk befördert wird, werden die Ersatzstoffe auf der Straße per LKW angeliefert. Die Änderung bewirkt ein Mehraufkommen von ca. 50 LKWs je Tag.

Detlef Reese Fritz Koch

 

 

Professor Dr. Horst Bannwarth

Leserbrief zuKStA , Rhein-Erft, Nr.18 vom 22./23.1.2011, S.37

Die der Bürgerinitiative Frechen unterstellte Aussage, es sei eine „zusätzliche, enorme Umweltbelastung für unsere Region und somit nicht mehr zumutbar“ ist zu allgemein. Sie verstellt vor allem den Blick auf das Hauptanliegen.
Niemand hat aufgrund der beantragten Änderungen mehr Umweltbelastungen in Form von Staub und Dreck als vorher zu befürchten. Die Mitverbrennung von Ersatzbrennstoffen aus Abfall und Müll erfordert sogar strengere Auflagen nach der 17.Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV). Es sind deswegen ganz im Gegenteil weniger Staub, Schwefel und toxische Schwermetalle als bisher zu erwarten. Die Belastung mit diesen bekannten klassischen Schadstoffen der Braunkohleverbrennung hat sich seit Beginn der Klärschlammverbrennung aufgrund neuer Technik wie der Koksabsorption deutlich verringert. Diese Fortschritte müssen anerkannt werden, lassen sich technisch aber sicherlich noch weiter optimieren.

Worum es jetzt im Wesentlichen geht, ist die neue Qualität der Gefährdung:
Bei der Mitverbrennung sogenannter Ersatzbrennstoffe („Müllverbrennung“), wie sie beantragt wurde, muss darauf geachtet werden, dass nicht neue, für die menschliche Gesundheit gefährliche Giftstoffe, die bei der reinen Braunkohleverbrennung bisher keine Rolle spielten, in die Umwelt gelangen und sich dort anreichern. Beantragt ist für Berrenrath die Genehmigung zur Lagerung, Aufbereitung und Verbrennung von chlor- oder fluorhaltigen Ersatzbrennstoffen: Biobrennstoffe mit Schadstoffen, Althölzer, Klär-und Gärschlamm, Flüssigbrennstoffe. Diese können toxische Stoffe etwa als Holzschutzmittel Pentachlorphenol PCP oder auch polychlorierte Biphenyle PCB enthalten. Bei unvollständiger Verbrennung  können sich aus diesen Dioxine und Furane bilden. Ihre Entstehung und Zerstörung hängt von der Verbrennungstemperatur, von der Verweildauer im Brennraum, von der Sauerstoffzufuhr, vom Schwefel-Chlor-Verhältnis, von der Anwesenheit von Kupfer als Katalysator in den mit Müll vermischten neuen Brennstoffen ab.

Für Frechen sind Versuche mit Brennstoffmischungen aus „Bio“ -und Sekundärbrennstoffen (SBS) vorgesehen. Darunter versteht man „biogene Fraktionen“ aus aufbereitetem Hausmüll, Sperrmüll und hausmüllähnlichem Gewerbeabfall. Diese können die Bildung von Dioxinen und Furanen bedingen.Ob für alle in Frage kommenden Gemische von Ersatzbrennstoffen mit Braunkohle der Grenzwert der 17.BImSchV von 0,1 Nanogramm Dioxine/Furane pro Kubikmeter im Abgas mit der Koksabsorption immer unterschritten, geschweige die heute technisch mögliche Grenze von 0,01 Nanogramm pro Kubikmeter erreicht werden kann, ist die Frage.

Ersatzbrennstoffe, die mit halogenierten Kohlenwasserstoffen angereichert sind:  belastetes Altholz, Flüssigbrennstoffe und Schlämme, dürfen so lange nicht in den genannten Braunkohlekraftwerken in Hürth und Frechen verbrannt werden wie nicht genaue Messungen die Unbedenklichkeit belegen. Gegenüber der zuständigen Bezirksregierung muss darauf hin gewirkt werden, dass nicht zu hohe Chlorgehalte zugelassen werden. Bio- und Sekundärbrennstoffe sollten nicht Chlorgehalte von 1% Chlor aufgrund der Zumischung von Holz mit chlorhaltigen Schadstoffen enthalten dürfen, wenn Holz normalerweise nur 0,02% Chlor enthält. Eine solche Genehmigung wird aber beantragt.



 

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